In der Vergangenheit hatten Unternehmen mit der Herausforderung zu kämpfen, dass Entwicklungswerkzeuge häufig nicht langlebig genug waren. Im Zuge der Entwicklung einer langfristig genutzten Software, beispielsweise der Steuerungssoftware eines Flugzeugs, wechselten Release-Stände der Entwicklungswerkzeuge, teilweise ohne Migrationspfad, oder wurden gar ganz eingestellt.
Aus diesen Erfahrungen heraus hat beispielsweise AIRBUS zusammen mit vielen anderen Partnern mit dem Open Source Projekt TOPCASED selbst die Initiative ergriffen.

Gérard Ladier, Senior Manager Software Engineering in der Abteilung für Avionic & Simulation Products Software bei Airbus in einem zu diesem Thema bei heise open:
"Das Ziel von TOPCASED ist eine komplette Werkzeugsammlung, die den gesamten Entwicklungsprozess von der Systemspezifikation bis zur Implementierung in Hard- und Software abdeckt, mit übergreifenden Aktivitäten wie der Rückverfolgung von Anforderungen, Versionskontrolle und Änderungsmanagement. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Qualität der Werkzeuge, da sie für die Entwicklung besonders zuverlässiger Systeme eingesetzt werden sollen."
Für den Airbus-Manager hat Open Source nicht zuletzt mit Eclipse einen Reifegrad erreicht, der sie zu einer glaubwürdigen Lösung für die Schaffung innovativer, zuverlässiger und langfristig unterstützter Systementwicklungswerkzeuge macht. Ladier weiter:
"Wenn das Projekt Erfolg hat, könnte es ein Kernelement für die Lösung unserer Probleme mit vielen Systementwicklungstools in Hinblick auf Verfügbarkeit und Kosten sein."Zudem würden so die Endanwender schon bei der Definition ihrer zentralen Werkzeuge mit einbezogen.
Schaut man sich die Äußerungen genauer an, so zeigt dies im Umkehrschluss sehr gut, wo die Anbieter kommerzieller Entwicklungswerkzeuge in der Vergangenheit ihre Probleme hatten:
- Qualität der Werkzeuge
- Passgenauigkeit der Werkzeuge (Nähe zum Endanwender)
- Durchgängige Abdeckung des gesamten Entwicklungsprozesses
Natürlich wäre es naiv zu glauben, dass nur durch ein eigenes Team und einem Open Source Modell diese Probleme gelöst sind. Dennoch ist AIRBUS zu der Überzeugung gelangt, dass eine auf die Bedürfnisse der Luft- und Raumfahrtindustrie zugeschnittene Eigenentwicklung zukunftsträchtiger ist, als die Zusammenarbeit mit den Herstellern bisher genutzter Entwicklungswerkzeuge.
Nicht zuletzt ist, wie oben genannt, die weite Verbreitung und der Reifegrad von Eclipse ein Auslöser für immer mehr Unternehmen, selbst zu Werkzeugbauern zu werden. Diese Werkzeuge sind besser auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten und ermöglichen damit Wettbewerbsvorteile.
Damit man diese Wettbewerbsvorteile nutzen kann, müssen der Werkzeugbau und die problemspezifische Anpassung von Werkzeugen so einfach sein, dass dazu wenig Spezialwissen benötigt wird. Ein gutes Beispiel für diese Art von "Ease of Use" stellt Xtext aus dem openArchitectureWare Projekt dar.

Xtext unterstützt die Erstellung von Texteditoren mit Syntax Highlighting, Code Completion und Fehleranzeige sowie den dazu passenden Parser auf Basis einer Grammatik-Definition. So erhält man ein zugeschnittenes und funktionsfähiges Werkzeug unmittelbar nach der Konzeption. Mehr zu Xtext erfahrt ihr ihm Blog meines Freundes Sven Efftinge.
Wenn Werkzeugbau und -anpassung so einfach wird, dann macht es auch Sinn, selber Werkzeugbauer zu werden. Ich bin gespannt, wie die Hersteller kommerzieller Plattformen auf diesen Trend reagieren. Meiner Ansicht nach müssen Hersteller heute Werkzeuge für Werzeugbauer herstellen, damit die Herausforderungen, vor denen Firmen wie AIRBUS heute stehen, bewältigt werden können.